Altersvorsorgedepot 2027: Für wen es sich am meisten lohnt
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot. Ein ETF-Depot, in das der Staat mit einzahlt.
Und zwar ziemlich viel. Gerade bei kleinen Beträgen.
Banken und Broker überbieten sich gerade mit Wartelisten und Gewinnspielen, die Finanzpresse spricht schon von einer Preisschlacht. Aber ist das ein sinnvolles Angebot und für wen lohnt es sich eigentlich am meisten?
Spoiler: eher nicht für die mit dem dicken Gehalt.
Was ist das Altersvorsorgedepot eigentlich?
Kurz gesagt: ein ganz normales Depot, in dem du ETFs besparst. Mit zwei Unterschieden:
👉Der Staat legt Geld drauf.
👉 Du kommst an das Geld erst ab 65 ran. Wer vorher rangeht, muss die Förderung zurückzahlen.
Das Altersvorsorgedepot ersetzt für neue Verträge die Riester-Rente. Der große Unterschied: Eine Beitragsgarantie ist keine Pflicht mehr. Die Garantie klang bei Riester beruhigend, hat aber dafür gesorgt, dass das Geld kaum Rendite bringen durfte.
Gefördert werden jetzt drei Varianten:
- Mit Garantie. Ein Teil deiner Einzahlungen ist garantiert, wie bei Riester. Klingt sicher, kostet aber genau die Rendite, um die es eigentlich geht.
- Das Standarddepot. Für alle, die sich nicht kümmern wollen. Der Anbieter stellt die Anlage für dich zusammen, und die Kosten sind gesetzlich bei 1 % im Jahr gedeckelt.
- Das freie Altersvorsorgedepot. Du suchst dir deine ETFs selbst aus, zum Beispiel einen Welt-ETF.
Bei den Varianten 2 und 3 landet dein Geld in Aktien-ETFs. Das heißt auch: Es schwankt. Über 25 oder 30 Jahre ist genau das der Weg, auf dem Vermögen wächst.
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Die Förderung ist so gebaut, dass die ersten Euros am meisten wert sind:
- Auf die ersten 360 Euro im Jahr gibt es 50 % Zulage. Also bis zu 180 Euro.
- Von 361 bis 1.800 Euro gibt es noch 25 %. Also bis zu 360 Euro.
- Pro Kind, für das du Kindergeld bekommst, gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro Kinderzulage im Jahr. Hier legt der Staat auf jeden eingezahlten Euro einen Euro drauf. Die vollen 300 Euro hast du also schon bei 25 Euro im Monat.
- Unter 25? Dann gibt es beim Abschluss einmalig 200 Euro Bonus.
360 Euro im Jahr. Das sind 30 Euro im Monat.
Und das ist die Zahl, um die sich dieser ganze Artikel dreht. Bei 30 Euro im Monat hast du den Teil mit der besten Förderung komplett eingesammelt. Alles darüber wird nur noch halb so gut bezuschusst.
Rechenbeispiel: Was bringen 30 Euro im Monat?
Rechnen wir das mal durch.
Ohne Kind: Du zahlst 360 Euro im Jahr ein, der Staat legt 180 Euro drauf. Im Depot landen 540 Euro. Aus deinen 30 Euro werden also 45 Euro im Monat.
Mit einem Kind: Du zahlst dieselben 360 Euro ein. Der Staat legt 180 Euro Grundzulage plus 300 Euro Kinderzulage drauf. Das sind 480 Euro vom Staat auf 360 Euro von dir. Der Staat zahlt also mehr ein als du. 😅
Die Kinderzulage gibt es nur, solange Kindergeld fließt. Und immer nur für ein Elternteil. Bei verheirateten Eltern geht sie automatisch an die Mutter, ihr könnt sie aber auf den Vater übertragen. Bei unverheirateten Eltern bekommt sie, wer das Kindergeld bekommt. Aufteilen geht nicht.
Und was wird langfristig daraus? Hier die Rechnung ohne Kind, über 25 Jahre, mit 5 % Rendite pro Jahr (das ist die vorsichtige Variante nach Inflation, die ich auch in meinem Artikel über Altersvorsorge mit 50 Euro im Monat nutze):
| Du zahlst ein | Im Depot nach 25 Jahren (ca.) | |
| 30 € im normalen ETF-Depot | 9.000 € | 17.900 € |
| 30 € im Altersvorsorgedepot (45 € mit Zulage) | 9.000 € | 26.800 € |
Fast 9.000 Euro Unterschied. Für dieselben 30 Euro, die du jeden Monat zahlst.
Abschließen kannst du ein Altersvorsorgedepot erst ab dem 1. Januar 2027. Vormerken lassen kannst du dich aber schon jetzt, ohne einen Cent einzuzahlen. Wie das geht, zeige ich dir weiter unten.
Diese Zahlen sind Annahmen, keine Zusagen. Und es gibt einen Haken bei den Steuern.
Beim Altersvorsorgedepot zahlst du im Alter Steuern auf alles, was du rausholst. Beim normalen Depot nur auf den Gewinn.
Wer viel verdient, kann die Einzahlungen zusätzlich von der Steuer absetzen, das prüft das Finanzamt automatisch. Dafür zahlt er im Alter aber meist auch mehr Steuern auf die Auszahlung.
Wer heute wenig verdient, zahlt meistens auch in der Rente wenig Steuern. Und bei 30 Euro im Monat legt der Staat prozentual so viel drauf wie nirgendwo sonst.
Das Altersvorsorgedepot passt also besonders gut zu kleinen Beträgen.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Zusammengefasst lohnt es sich besonders für dich, wenn du …
- kleine Beträge sparen willst. Bei 30 Euro im Monat gibt es 50 % obendrauf.
- Kinder hast. Bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr, schon ab 25 Euro im Monat.
- unter 25 bist. Einmalig 200 Euro Bonus beim Abschluss.
- wenig verdienst oder einen unsicheren Job hast. Im Alter zahlst du dann meist wenig Steuern, und bei Jobverlust ist das Geld geschützt (dazu gleich mehr).
- selbstständig bist. Bei Riester warst du außen vor, jetzt bist du dabei.
Weniger lohnt es sich, wenn du gut verdienst und keine Kinder hast. Und erstmal gar nicht, solange du im Dispo steckst. Warum, kommt jetzt.
Der größte Nachteil: Das Geld ist bis 65 weg
Das ist der Punkt, über den in der Werbung kaum jemand redet.
Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto muss in die Werkstatt, der Job wackelt: An das Geld im Altersvorsorgedepot kommst du trotzdem nicht ran. Es gibt ein paar schmale Ausnahmen, zum Beispiel für eine selbst genutzte Wohnung. Ansonsten gilt: Schloss zu bis 65.
Und genau deshalb gehört das Altersvorsorgedepot bei dir nicht an den Anfang.
Wenn du gerade im Dispo hängst oder keinen Notgroschen hast, dann ist jeder Euro, den du ins Altersvorsorgedepot steckst, ein Euro, der dir beim nächsten Notfall fehlt. Und dann landest du wieder im Dispo. Mit 10 bis 12 % Zinsen. Das frisst die schöne Zulage schneller auf, als du gucken kannst.
Die Reihenfolge, die ich dir empfehle:
- Dispo loswerden. Solange du Dispozinsen zahlst, verlierst du jeden Monat Geld. Um da rauszukommen, musst du erst wissen, wo dein Geld eigentlich hingeht. Dafür gibt es meinen Klarheits-Check: Du trägst deine Fixkosten und Ausgaben ein und siehst, wo dein Geld versickert. Genau dort findest du das Geld, mit dem du den Dispo abbauen kannst.
- Puffer für Notfälle aufbauen. Mindestens drei Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto, an das du im Notfall jederzeit rankommst. Wie du das auch mit wenig Geld schaffst, zeige ich dir in meinem Artikel Notgroschen aufbauen.
- Dann 30 Euro ins Altersvorsorgedepot. Damit sammelst du die beste Förderung ein.
- Alles darüber in ein normales ETF-Depot. Da kommst du jederzeit ran.
Das heißt aber nicht, dass du mit allem warten musst, bis Punkt 1 und 2 erledigt sind. Vormerken kostet nichts und verpflichtet dich zu nichts. Du sicherst dir den Platz und entscheidest später, wann das erste Geld fließt.
Und falls du trotzdem schon einen Fuß in der Tür haben willst: Der Mindestbeitrag für die Förderung liegt bei 120 Euro im Jahr, also 10 Euro im Monat. Darauf gibt es 60 Euro Zulage. Klein genug, dass es nicht wehtut, während du am Notgroschen arbeitest.
Altersvorsorgedepot und Grundsicherung: Was passiert, wenn du deinen Job verlierst?
Niemand plant das. Aber es kann jedem passieren, angestellt oder selbstständig. Und wenn das Arbeitslosengeld irgendwann ausläuft, kommt die Grundsicherung (früher Bürgergeld).
Seit Juli 2026 gelten dort strengere Regeln fürs Ersparte. Je nach Alter darfst du nur einen bestimmten Betrag behalten, ab 41 Jahren zum Beispiel 12.500 Euro. Alles darüber musst du erst aufbrauchen. Auch ein ganz normales ETF-Depot zählt mit.
Das Geld im Altersvorsorgedepot nicht. Staatlich geförderte Altersvorsorge ist davon ausgenommen.
Das Schloss bis 65 schützt also auch in die andere Richtung.
Geschützt ist das geförderte Guthaben, inklusive Zulagen und Rendite. Mit deinen 30 Euro im Monat bist du also auf der sicheren Seite.
Altersvorsorgedepot vormerken: So sicherst du dir heute deinen Platz
Abschließen kannst du ein Altersvorsorgedepot erst ab dem 1. Januar 2027. Vormerken geht aber jetzt schon. Du zahlst dabei nichts ein und gehst keine Verpflichtung ein.
Worauf du achten solltest: die Kosten. Beim sogenannten Standarddepot sind höchstens 1 % im Jahr erlaubt. Klingt nach wenig, sind über 25 Jahre aber schnell ein paar Tausend Euro, die nicht in deinem Depot landen. Und für alle anderen Varianten gibt es diesen Deckel gar nicht. Genau da können teure Produkte von Bank oder Versicherung noch drüber liegen.
Ganz ehrlich: Bei welchem günstigen Online-Broker du landest, ist am Ende fast egal. Der große Unterschied liegt zwischen günstigem Online-Broker und teurem Produkt von Bank oder Versicherung. Wenn du also schon ein Konto bei einem Online-Broker hast, mit dem du zufrieden bist, schau einfach, ob er mitmacht. Viele nehmen schon Vormerkungen an.
Ich selbst würde zu Scalable Capital gehen. Das hat Scalable für das Standarddepot angekündigt:
- Keine Depotgebühr und keine Kosten für Sparpläne, Käufe und Verkäufe.
- Bis Ende 2027 übernimmt Scalable die ETF-Kosten für ausgewählte ETFs.
- Danach höchstens 0,15 % im Jahr. Das hat der Scalable-Chef im Interview gesagt, auf der Produktseite steht es noch nicht. Aber selbst wenn es am Ende etwas mehr wird: Das ist weit unter dem erlaubten 1 %.
- Sparplan ab 1 Euro. Passt also auch zu deinen 30 Euro. Oder zu 10.
Und dann ist da noch das Gewinnspiel: Unter allen, die sich bis zum 31. Dezember 2026 vormerken, verlost Scalable fünfmal 540 Euro. Jedes Jahr, bis zur Rente. Für jeden Monat gibt es einen eigenen Lostopf. Wer sich jetzt vormerkt, ist in allen restlichen Töpfen bis Dezember dabei. Wer bis Dezember wartet, nur noch in einem.
So geht’s, in etwa 20 Minuten:
- Kostenloses Depot bei Scalable Capital eröffnen. Der FREE-Tarif reicht völlig.
- Im Kundenbereich das Altersvorsorgedepot vormerken. Damit bist du automatisch im Gewinnspiel. Je früher, desto besser: Es gibt jeden Monat einen eigenen Gewinntopf, und wer sich früh anmeldet, ist in allen folgenden mit drin. Anmeldeschluss ist der 31.12.2026, teilnehmen kannst du mit Wohnsitz in Deutschland.
- Fertig. Das Vormerken ist unverbindlich und kostet nichts. Das Altersvorsorgedepot selbst startet am 1. Januar 2027.
Wichtig: Verlost werden insgesamt 5 Gewinne, die Ziehung ist im Januar 2027. Wer gewinnt, bekommt die 540 Euro jährlich nur, wenn sie ab 1. Januar 2027 auch wirklich ein Altersvorsorgedepot bei Scalable führt.
Alle Angebote stehen noch unter Vorbehalt, die Produkte müssen erst offiziell geprüft werden. Ich schaue mir das im Januar nochmal genauer an.
Zwei Warnungen noch:
Finger weg von „Altersvorsorge mit Garantie“. Die gibt es auch beim neuen Depot noch. Die Garantie kostet aber genau die Rendite, um die es eigentlich geht. Wenn dir deine Hausbank so was anbietet: freundlich nicken, nach den Kosten fragen und erstmal nach Hause gehen. 😅
Du hast schon einen Riester-Vertrag? Dann erst prüfen lassen, dann abschließen. Sobald du ab Januar ein Altersvorsorgedepot eröffnest, wird auch dein alter Riester-Vertrag auf die neue Förderung umgestellt, und zurück geht es dann nicht mehr. Ob sich das für dich lohnt, hängt von deinem Einkommen, deinen Kindern und deinem Vertrag ab. Das lässt du am besten unabhängig durchrechnen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale. Vormerken kannst du dich trotzdem, das stellt noch nichts um.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Was ist der Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und normalem ETF-Depot? Zwei Dinge. Der Staat legt Geld dazu, und du kommst erst ab 65 an das Geld ran. Im normalen Depot gibt es keine Zulage, dafür kannst du jederzeit verkaufen. Und bei den Steuern: Im normalen Depot zahlst du sie nur auf den Gewinn, im Altersvorsorgedepot auf alles, was du im Alter rausholst.
Bekomme ich nur die Zulage oder auch die ETF-Rendite? Beides. Die Zulage landet in deinem Depot und wird genauso angelegt wie dein eigenes Geld. Sie wächst also mit.
Ich hab schon ein ETF-Depot. Bekomme ich dafür auch die Zulage? Nein. Das Altersvorsorgedepot ist ein eigener Vertrag, der neben deinem normalen Depot läuft. Deine bisherigen ETFs bleiben, wo sie sind, und bekommen keine Zulage. Deshalb musst du dich auch als bestehende Kundin extra vormerken.
Ab wann kann ich mir das Geld auszahlen lassen? Frühestens mit 65, spätestens mit 70 beginnt die Auszahlung. Früher geht es nur, wenn du schon vorher eine gesetzliche Altersrente bekommst. Zu Beginn kannst du dir bis zu 30 % auf einmal auszahlen lassen, der Rest kommt als monatliche Zahlung.
Ist die Übernahme der ETF-Kosten bei Scalable sicher? Das ist ein freiwilliges Angebot von Scalable, kein Gesetz. Es kann sich also ändern.
Kann ich meinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot übertragen? Ja, ohne Zulagen zurückzahlen zu müssen. Es können aber Wechselkosten anfallen. Wenn du nichts tust, läuft dein Riester-Vertrag einfach weiter. Sobald du aber ein Altersvorsorgedepot eröffnest, gilt die neue Förderung automatisch auch für ihn. Ob Behalten oder Übertragen für dich besser ist, lässt du am besten unabhängig durchrechnen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.
Dein nächster Schritt: Platz sichern
30 Euro im Monat. 15 Euro vom Staat dazu. Und dein Geld ist auch noch geschützt, falls mal was schiefgeht.
Vormerken kostet nichts, dauert mit Kontoeröffnung etwa 20 Minuten und verpflichtet dich zu nichts. Und wer sich bis Ende Dezember vormerkt, ist bei Scalable im Gewinnspiel dabei. Je früher du dich vormerkst, desto höher ist deine Gewinnchance.
